Warum machen wir das neue Jahr zum Luther-Jahr und beschäftigen wir uns in besonderen Gottesdiensten mit Gedanken und biblischen Wahrheiten, die vor 500 Jahren die Welt bewegten?

Ein Mann (Axel Nussbaumer) erzählt, wie sich ihm das Thema Reformation neu erschlossen hat und wie er die Sache anderen erklären möchte:

Deformation - Reformation

„Vor kurzem ließ ich die Reifen unseres Autos wechseln. Früher konnte ich das selber machen. An unserem jetzigen Auto sind die Schrauben so fest angezogen, dass es ein Spezialwerkzeug braucht, um sie zu lösen. Während ich warten musste, fiel mein Blick auf eine Übersicht, welche Blechschäden repariert werden können. Es waren Vorher-Nachher-Bilder: Auf der einen Seite war alles deformiert, auf der anderen Seite waren dieselben Autos, die aussahen wie neu.
Heute feiern wir den Reformationssonntag. Martin Luther hat gemerkt: Die Kirche hat ihre ursprüngliche Form ganz und gar verloren. Wenn er Autos schon gekannt hätte, wäre ihm vielleicht als Vergleich in den Sinn gekommen: Die Kirche ist so verbeult wie ein Auto nach einem schweren Unfall.
Er zog den konsequenten Schluss: Die deformierte Kirche von damals, d.h. die aus der Form geratene Kirche, braucht Reformation, die Rückführung in die Form, die Gott ihr zugedacht hatte. Aus der angestrebten Re-Formation der bestehenden Kirche wurde eine Neugründung, was Luther nicht beabsichtigt hatte.
Damals wie heute sind die Menschen dieselben geblieben. Immer wieder von neuem entstehen Missstände. Das haben schon die Reformatoren vorausgesehen. Sie sagten: „Ecclesia semper reformanda est“ – „Die Kirche bedarf der ständigen Erneuerung“.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Immer wieder wird deformiert, was Gott einmal gut geschaffen, gut geformt hat. Wo Menschen am Werk sind, da geht etwas kaputt. Wir können keinen Film anschauen über die Natur oder den Klimawandel, ohne dass uns am Ende gesagt wird, was der Mensch alles kaputt gemacht hat – oder wo er kräftig daran ist. Auch in zwischenmenschlichen Beziehungen geht so manches kaputt. Wir schaden anderen und uns selber, unserer Gesundheit, unseren Nerven. Ich nehme an, dass wir alle Erfahrungen von Deformation erzählen könnten…“

Soweit dieser persönliche Bericht und der besondere Blick auf das, was Reformation bedeutet. Ich denke, wir können tatsächlich darin einstimmen, dass wir Erneuerung nötig haben und das eigentlich ständig; im persönlichen Leben und in der Gemeinde. Da ist es eine große Hilfe, auf das zurückzugreifen, was sich einmal als Wahrheit erwiesen hat. Die reformatorischen Erkenntnisse gehören dazu; sie sind so grundlegend und tiefgreifend, dass sie sich auch heute noch als tragfähig für unsere Lebensentscheidungen behaupten. Es lohnt sich also, das ausführlich zu bedenken und sich mit dem zu beschäftigen, was nicht nur auf Luther allein zurückgeht, aber ausgehend von ihm, zur Erneuerung des Glaubens führt.

Bereits im Oktober 2016 sind wir damit gestartet und wollen bis zum 31. Oktober 2017 monatlich die reformatorischen Erkenntnisse zum Thema machen. Der Plan sieht wie folgt aus:

20.11.16     „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ 2. Petr. 3,8-13

18.12.16     Heiland – Die Entdeckung der Menschwerdung Gottes Joh. 4,42

22.01.17     Sola fide – die Entdeckung der Gnade

26.02.17     Sola scriptura – die Entdeckung der Schrift

26.03.17     Solus christus – die Entdeckung des Christus

23.04.17     Sola fide – die Entdeckung des Glaubens

28.05.17     Die permanente Reformation

18.06.17     Der Glaube allein – Gottes Einladung an die Welt

23.07.17     Christus allein – die Hoffnung für die Welt

27.08.17     Die Bibel allein – Gottes Stimme in der Welt

24.09.17     Die Gnade allein – Gottes Herz für die Welt

29.10.17     Reformationsgottesdienst in der St. Dionysius Kirche

Die Predigten können Sie hier noch einmal anhören.